Omnia mutantur, nihil interit
Schulstiftung der Diözese übernimmt Trägerschaft der Oberroninger Schulen
Nach 160 Jahren Schulgeschichte ging eine Ära zu Ende – Übernahmefeier mit Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller
Mit Beginn des neuen Schuljahres ging an den Oberroninger Schulen eine Ära zu Ende. Seit 1. August ist das Bistum Regensburg Träger der bisherigen Haupt- und Realschule der Salesianerinnen. Die Schulen nennen sich nun "Realschule bzw. Hauptschule Oberroning der Schulstiftung der Diözese Regensburg“. Durch die Trägerschaft ist die Klosterschule wirtschaftlich langfristig gesichert. Am vergangenen Freitag wurde der Akt im Beisein von Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller feierlich vollzogen und anschließend zum Stehempfang in der Schule geladen.

Viele Gäste waren in die Sporthalle gekommen, zuvor hatte Bischof Müller in der Oberroninger Kirche in Konzelebration mit Domkapitular Johannes Neumüller, Dekan Stefan Anzinger und Pfarrer Max Rabl einen Pontifikalgottesdienst gefeiert, der musikalisch von den Musiklehrern der Realschule und dem Schulchor mitgestaltet wurde. Bischof Gerhard Ludwig hob in seiner Predigt die Verdienste der Ordensgründer Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal hervor. Mit der Übernahme in die Trägerschaft würden Geist und Grundordnung der Schule gleich bleiben. "Wir brauchen das Gefühl, in einer Gemeinschaft zu leben, wie in einer guten Familie, die Talente erkennt und entfaltet, damit reife Persönlichkeiten heranwachsen können", sagte er.
Der Festakt in der Schulaula wurde vom Jazzquartett "4motion" eröffnet und vom Schulchor, der Schulband unter der Leitung der Musiklehrer Christian Buchschmid und Claus Hoenke sowie Lehrern und Schülern der Haupt- und Realschule mitgestaltet. Domkapitular Johannes Neumüller, der Direktor der Schulstiftung betonte, dass gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit kirchlicher Schulen besonders wichtig seien. Er blickte voll Dankbarkeit auf die Lebensleistung der Schwestern zurück. "Wenn die Wände Ohren hätten, könnten sie von den 161 Jahren der Salesianerinnen vieles erzählen", sagte er. Diese hätten mit Wehmut ihre Schule, die sie über Jahre hinweg mit Engagement geleitet hatten, der Schulstiftung übergeben, die sich – so hoffe er – damit nicht übernommen habe. Die Schwestern, an der Spitze Sr. Alberta, werden weiter hier wohnen und damit der Schule verbunden bleiben.
"Es ist nicht damit getan, das Türschild bei den Salesianerinnen auszuwechseln", sagte der Ministerialbeauftragte für die Realschulen in Niederbayern Michael Wagner. Eine Ära gehe mit 160 Jahren Schulgeschichte zu Ende, die zu großem Dank gegenüber den Schwestern verpflichte. Sie hätten ihre Lebenskraft für diese Schule eingesetzt und müssten schließlich vieles in weltliche Hände geben. Die neue Herausforderung im Blick könne man sich auf den Weg machen. "Der Lehrplan berücksichtigt nur einen Teil des Menschen", sagte er, "Bildung und Wissen stehen gleichwertig nebeneinander. Die Realschule der Salesianerinnen hat ihren Bildungsauftrag vorbildlich erfüllt". Er dankte dem Bischof, der den Fortbestand dieser Schule gesichert habe, eine Bildungsanstalt für 450 Schülerinnen und Schüler, die vieles zu bieten habe.
Schulrat Reinhard Schikaneder vom Staatlichen Schulamt Landshut sprach von einer herausragenden Hauptschule im Schulamtsbereich Landshut, die auch in Zukunft einen Sonderstatus habe. Durch die Übernahme sei diese Schule, an der die Kinder die bestmögliche Förderung erhielten, gesichert und damit – den Eröffnungssong aufgreifend - "on the sunny side of the street".
"Die Salesianerinnen setzten Akzente und trugen zu einem Wandel bei, der Frauen eine berufliche Bildung ermöglichte", sagte stv. Landrat Peter Dreier. Oberroning sei eine hochqualifizierte und familiär geführte Schule, die Sozialkompetenz vermittle, attestierte der erste Bürgermeister der Stadt Rottenburg Alfred Holzner. Die kirchliche Schule werde bei den Eltern – trotz Schulgeld – sehr geschätzt, wie sonst ließe sich der große Zulauf erklären.
"Schau niemals nach unten!" Mit diesem Zitat von Dag Hammarskjöld drückte Mitarbeitervertreter Peter Bernklau seine Hoffnung auf eine gute Kooperation aus. Die Elternbeiratsvorsitzenden Michaela Hödl und Siegfried Kaiser wünschen sich eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohle ihrer Kinder.
"Omnia mutantur, nihil enterit: Alles wechselt, nichts geht unter". Mit diesen Gedanken des römischen Dichters Ovid hatte Rektor Andreas Dillinger von der Realschule seinen Ausblick überschrieben. Sorge bereite ihm nicht die Zusammenarbeit mit der Schulstiftung, wohl aber die Veränderungen des Schulwesens in Bayern, wobei man nicht genau wisse, was letztendlich drohe. Rektorin Brigitte Schmid von der Hauptschule konnte von einer Erfolgsgeschichte der Hauptschule berichten, die ihresgleichen suche. Aus einer "Zulieferschule" für die Realschule sei daraus eine selbstbewusste und selbstständige Schule geworden. "Seit 1. August beginnt die Zukunft für eine Hauptschule mit gestärkten Grundfesten", sagte sie. "Das Kloster Oberroning hat vieles schon erlebt, aber unsere Schule ist noch lange nicht tot", legte das "Klosterlied" von Lehrern und Schülern der Hauptschule klar. Oberin Sr. Alberta Winzinger dankte allen im Hause für das bisher Geleistete und wünschte sich, dass dieser Einsatz auch für die Schulstiftung erhalten bleibe.
Marianne Schmid

